Internationaler Verein  "Aufklärung und Koran"   

 

Sure 19, Vers 93

Dritte Tiefe

„Keiner in den Himmeln und auf Erden darf sich dem Erbarmer anders nahen als als Sklave.“
 
Übersetzung Max Henning, Vers 93 der Sure 19 = Sure Maria; geoffenbart in Mekka

Zusätzlich zu Sure 51, Vers 56 ergänzt Sure 19 eine weitere Facette des Menschenbildes des Koran.

In jener ging es darum, festzustellen, dass der Lebenssinn des Menschen die Preisung Allahs ist. In diesem 93-igsten Vers der Sure 19 wird die Form dieser Preisung näher bestimmt. Der Preisende hat Allah gegenüber die Position eines Sklaven.

So wird die Preisung durch die vom Preisenden für sich selbst akzeptierte Machtlosigkeit in jeglicher rechtlicher und auch geldlicher Hinsicht schon dadurch um ein Gewaltiges intensiver. In der Beziehung Mensch/Allah ist der Mensch, so verlangt es der Koran, als natürliches geschaffenes Wesen total in sich zurückgenommen und hat auch nicht z. b. nur die geringste Möglichkeit einer “ Charme-Offensive“ Allah gegenüber, außer im Moment der Niedergeworfenheit. Im Gegenteil, er ist theologisch weder aufgefordert noch autorisiert mehr zu sein, als ein zur Preisung in längst festgelegten Ritualformen herbeigerufenes sächliches Etwas, wie es das Sklavenrecht auf der ganzen Welt besagt.

In welchen Zusammenhang fügt sich der 93-igste Vers dieser Sure 19 ? Mal wieder, wie an vielen Stellen des Koran, wird von der „Unmöglichkeit“ derer gesprochen, die in ihrem Glauben Gott Gefährten zugesellen. Außerdem wird die Zacharias- Geschichte – sehr eigenwillig – erzählt. Die christlich-wissenschaftliche Erklärung dieser Zacharias-Erzähl-Version: Mohammed hat apokryphe Evangelien und auch apokryphe Schriften der jüdischen Bibel gekannt. So ist z. B. Maria, die Mutter Jesu, an einer Stelle in dieser Sure gleichgesetzt mit einer Mariam aus dem 2. Buch Mose. Diese Gleichsetzung entspricht der des syrischen Kirchenvaters Rabbula von Edessa, der als Apokryphen-Schriftsteller bekannt ist. Johannes der Täufer und auch Jesus werden in dieser Sure 19 ebenfalls vorgestellt., Der Entstehungszeit nach —Theodor Noeldeke folgend — ist sie als mittel-mekkanisch einzustufen. In diesem frühen Stadium der Koran-werdung, in dem an eine eigene islamische Staatbildung – unterdrückt wie der Islam in Mekka damals war- im Traum nicht zu denken war, stellt der Allah-Geist Mohameds gegenüber den Gläubigen diese Maximalforderung auf: ( Allah ) “ nicht anders nahen als als Sklave“.

Auch aus der Geschichte des Christentums ist bekannt, dass ein solches zeitliches Zugleich von größter äußerer Schwäche und größtem metaphysischen Glaubensanspruch sehr naheliegt. So nämlich verursacht war wohl auch die Unfehlbarkeitserklärung von Pius IX. 1871 am Tag der deutschen Kriegserklärung an Frankreich. Europa war geistig/seelisch einem überbordenden Nationalismus anheimgefallen, der Vatikanstaat umringt von feindlich gesonnenen Truppen der neu gegründeten Republik Italien. In diesem Moment strengte der damalige Papst diese enorme metaphysische Selbstermächtigung für die katholische Kirche an: „Wenn der jeweilige Papst ex cathedra spricht, ist er unfehlbar“.

Mohamed, noch in der Anfangsphase seiner Verkündigungen, schon aber der anerkannte Hohe-Priester seiner Anhänger, verhielt sich , wenn man die veränderten Gesamtumstände berücksichtigt, ähnlich. Ein großer Unterschied entstand dann allerdings: Dieser Vers des Allah-Geistes Mohameds ist ein Vers geworden inmitten von insgesamt 6 348 Versen. Er ist also ein 6 348-igstel eines Buches, das von 1,6 Milliarden Menschen hingebungsvoll ( = Islam ) geliebt und verehrt wird. Von diesem Buch, so verkündet es die seit altersher herrschende islamische Dogmatik, ist jeder einzelne Vers Gottes unverfälschtes, für alle Zeit aktuell geltendes Wort und wird als solches jährlich am Ramadan aber auch sonst laufend zitiert. Hier zeigt sich der Unterschied: Die Unfehlbarkeitserklärung des Papstes von 1871 wurde erst mal ca hundert jahre beiseite gelegt beiseite gelegt und hat in einer Vatikan- Schublade geruht. Nach dieser langen Zeit des Denkens wurde sie dann 1962 bei der Verkündigung des Dogmas der Himmelfahrt der Maria durch Paul VI. wirksam.

Bezüglich der Formulierung: “ nicht anders nahen als als Sklave“ soll auch erwähnt sein, dass dieser Passus von einer Reihe von Übersetzern in andere europäische Sprachen formuliert wird:“ nicht anders nahen als als Diener.“

Aus dem Zusammenhang der Sure 19 möchte unser Verein „Aufklärung und Koran“ es aber als wahrscheinlich ansehen, dass die von Max Henning gewählte Übersetzung den Sinn dieser Stelle trifft. Wie bereits angedeutet geht es nämlich an dieser Stelle des Koran darum, über lange Passagen zu erklären, wie unmöglich und gotteslästerlich es ist, Gott Gefährten beizugesellen ( = Shirk, = eine der größten Sünden, die der Koran kennt ) .Auch wäre es frevelhaft, weil nicht in Gottes Natur gelegen, zu erklären, dass Gott einen Sohn gezeugt hätte. Gegen diese eigenmächtigen menschlichen Eingriffe in das Bild des einen und einzigen allmächtigen Gottes, so behauptet es der Koran, stellt der Koran selber die dem Menschen als Dienst ( außerhalb des Dschihad ) vornehmlich obliegendende Preisung Allahs, des Höher-Höchsten, Allahu Akbar. In dieser Gegenüberstellung ist die Kennzeichnung des Menschen als Sklave die weitaus wahrscheinlichere. Sie trifft genauer, was der auch sonst in der Auseinandersetzung mit dem Christentum immer leicht polemische Koran-Text üblicherweise zum Vortrag bringt.

Damit aber, so sehen es die Mitglieder des Vereins“ Aufklärung und Koran“, ist in Sure 19 dank einer polemischen Auseinandersetzung mit dem Christentum eine Enthüllung des islamischen Menschenbildes geschehen, wie sie kompletter nicht hätte sein können.


Gemeinschaftlicher Sudschud, die Niederwerfung während des Freitagsgebetes.

So erklären sich nun viele Phänomene des geschichtlichen und gegenwärtigen Islam. Zu Beginn jetzt erinnern wir wie in dem Abschnitt „Hingabe—Allahu Akbar“ an die Assassinen, die im 12. Jahrhundert eine Burgenkette in Syrien und im Libanon ihr eigen nannten und die berühmt-berüchtigt dafür waren, christliche Herrscher aber auch von ihnen als nicht-ausreichend islamisch angesehene eigene Würdenträger auf eine sehr kühne Art und Weise umzubringen. Oftmals unterließen sie es, nach der Tat zu fliehen. Sie nahmen den eigenen Tod eher in Kauf als eine schmähliche Flucht. Einerseits suchten sie durch ihre Tat den schnellen Eintritt ins Paradies, wie an anderer Stelle dieser Tiefe ( siehe „Das Blut der Märtyrer“ ) ausgeführt ist. Andererseits ist zu sagen: Auch sie näherten sich durch ihre Tötungs-Taten Allah als willfährige Sklaven.

Wer sich als sklavisches Werkzeug Allah´s ansieht, dessen Stolz es ist, seinen Auftrag zu erfüllen, der erkennt in sich selbst keinen zu schützenden Wert. Auch in diesem Licht erklären sich die modernen Verbrechen, die uns umstellen: der Massenmord am Strand von Sousse mit einer Kalaschnikoff, Tunesien 2016; die mörderische Lastwagenfahrt am Strand von Nizza ( Frankreich ) 2016; der Massenmord in der Diskothek Bataclan in Paris ( 2016 ) , um nur einige zu benennen.

Diese zum eigenen Tod bereiten Täter vollziehen „sklavisch“ das, was Vers 111 der Sure 9 von ihnen verlangt: “ …. sie sollen kämpfen auf Allahs Pfad, töten und getötet werden…“ Dafür wird ihnen als Belohnung das Paradies zugesprochen, so versichert es in diesem Vers der Koran mit aller ihm zu Gebote stehenden Macht der Selbstlegitimation. Siehe im gleichen Vers: „Denn wer hält seine Versprechen getreuer als Allah“, der – so behauptet es der Koran weiterhin in diesem Vers 111, Sure 9 –gleichsinnig so in Thora, Evangelium und Koran sprach?

Sayid Qutb, ein später zum Tode verurteilter ägyptischer Autor in den fünfziger Jahren des 20-igsten Jahrhundert, hat die Realisierung des militärischen Sklavendienstes für Allah, des allgemeinen kriegerischen Dschihad, befreit von der Notwendigkeit der Ausrufung durch einen Kalifen. Er hat ihn dann aber in dieser privatisierten Form zur allgemeinen Pflicht erklärt, zu einer sechsten Säule des Islam neben den bisher bekannten fünf Säulen. Seit dann noch ein pakistanischer Offizier und Autor, Mayid Khadduri, 1979 in einem international vielbeachteten Buch „Das koranische Konzept vom Krieg“ erläuterte, das darin gipfelt, „Schrecken in die Herzen der Feinde zu werfen“, seitdem ist das geistige Waffenarsenal des weltweit privatisierten Terrorismus scharf.

Gibt es eine innerislamische geistige Macht, die aus koranischem Wort ein anderes Menschenbild errichten könnte und die aus gleicher Quelle den privatisierten Dschihad und Terror verwerfen könnte?