Internationaler Verein  "Aufklärung und Koran"   

 

Wieviel Barmherzigkeit steckt im Koran?

Dritte Tiefe

Die Basmalla ist die Einleitung von 113 der insgesamt 114 Suren. Sie wird unterschiedlich übersetzt, zum Beispiel:
 
  • Im Namen Allahs, des Erbarmers, des Barmherzigen; Max Henning 1909
     
  • Im Namen Allahs , des Gnädigen, des Barmherzigen; Ahmadiyya-Koran von 2013
     
  • Im Namen Gottes, des allbarmherzigen Erbarmers; Friederich Rückert, ca. 1820
     
  • Im Namen Gottes, des Allergnädigsten, des Gnadenspenders; Übersetzung von Leopold Weis alias Mohamed Asad von 1980.
     
  • In the name of god, the lord of mercy, the giver of mercy; Übertragung in`s Englische von M. A. S. Abdel Haleem 2005.
     
  • Au Nom d`Allah, le Clement, le Misericordieux; Übertragung in`s französische von Malek Chebel, 2009.
     

Die Basmalla in der arabischen Form ist übrigens auch die „Begleithieroglyphe“ der Habilitationsarbeit von Immanuel Kant ( 1724 bis 1804 ).

Die Basmalla ist gegenwärtig der Vorsatz zu den Verfassungen verschiedener mehrheitlich islamischer Länder, wie Afghanistan, Bahrain, Bangladesch, Pakistan, Kuweit, Ägypten, Iran u. a.
Grundlegend für die Basmalla ist die Unterscheidung zweier Seiten Gottes im Arabischen: „ Rahmani“ und „Rahimi“. In einer Dreierfigur werden der Gottesname Allah und beide Facetten Gottes mit je einem eigenen Wort in ihr benannt und als Absender kenntlich gemacht.

Das Grundwort beider Wörter ist Raham, die Gnade .

Die genaue Unterscheidung der Bedeutung der beiden Allah zugesagten Wörter ist eine Aufgabe für Jahrhunderte gewesen. Heutzutage ( 2. Jahrtausendwende ) kann man mit Mohamed Asad die Basmalla so verstehen , als man mit Rahmani Gott in dem Wissen bezeichnet sieht, das alle Dinge des Universums Objekte seiner Sympathie sind, und auch bei den Menschen ihre Gesamtheit, sowohl die Gläubigen wie die Ungläubigen.
Mit Rahimi kann man in der Hinsicht eine Selbsterklärung Gottes wahrnehmen, insofern als besonders die Gläubigen Objekte seiner Sympathie sind und dass es möglich ist, zu ihm auch bittend zu beten.

Nur in der ersten Sure, der Eröffnenden, der Fatiha, wird die Basmalla als Vers gezählt. Allen anderen Suren ( mit Ausnahme der neunten 9 . ) ist die Basmalla zwar vorangestelllt, wird aber nicht als Vers gezählt.

Man kann also annehmen, dass diese Formel der Kennzeichnung des Absenders während der Herabsendung/Versprachlichung der ersten Sure, der Fatiha entwickelt wurde und in den weiteren Suren von der späteren Redaktion des Koran ( so wie auch die dort gegebenen Ortsangaben, geoffenbart in Medina, in Mekka ) dann beigefügt worden ist.
Dies geschah aus gutem Grund, denn tatsächlich ist mit Hilfe der in der Fatiha entwickelten Basmalla dem Koran, bzw. der islamischen Gläubigkeit ein großer Wurf gelungen, nämlich die sprachliche Ausfaltung zweier Seiten der Barmherzigkeit Gottes. Es ist dies eine religiös-denkerische Leistung, , die selbst beim Judentum so klar ausgefaltet nicht zu finden ist—und auch nicht im Christentum. Es werden zwei den Menschen in Anspruch nehmende Dankbarkeitsgründe gegenüber Gott zur Sprache gebracht, die beide im Recht eines Schöpfergottes liegen und die mit einer solchen Benennung an Wahrnehmbarkeit gewinnen.

In der Anerkenntnis dieser doppelten Selbst-Benennung Gottes verpflichtet erstens allein schon die Tatsache der eigenen Existenz einschließlich einer lebensgemäßen Umgebung zur Dankbarkeit. Davon zu unterscheiden ist ein zweiter Grund zur Dankbarkeit: Die Tatsache eines anrufbaren Gottes.
Aber wann ist die Fatiha und damit auch die Basmalla , entstanden? Theodor Noeldeke, siehe Tiefe 2 „Die Suren in Ihrer zeitlichen Reihenfolge“, hat in einem ersten genialischen Zugriff auf die zeitliche Entstehung des Koran die Entstehung der Fatiha an das Ende der frühmekkanischen Periode gesetzt. Sein Schüler Friederich Schwally hat 1909 die Fatiha am Anfang aller Arbeit am Koran gesehen.

Jedenfalls spielt diese genuin islamische „Gottes-Formel“, die Basmalla, in der so sehr gläubigen islamischen Welt, die „der Gesandte Allah`s“ geschaffen und hinterlassen hat, eine enorme Rolle. Sie ist tausendfach unterschiedlich kalligraphisch überhöht worden; sie wird bei den Initiationsfeiern der Kinder immer wieder zitiert, sie wird angerufen bei der Herstellung von Halal-Fleisch, sie befindet sich an der Eingangspforte vieler Häuser und Geschäfte im islamischen Kulturkreis, ist aber auch in Europa in vielen Kebab-Restaurants über der Kundentür angebracht. Es scheint, dass gerade diese Formel die islamische Gemeinschaft in besonderer Weise zusammen hält. Sie ist für jeden gutwilligen Menschen gleich welchen Bildungsgrades sofort verständlich und transportiert in wenigen Worten eine höchst differenzierte Anschauung Gottes.

Der Stein der Kaaba nimmt mit jedem Kuss eine schwarze Sünde hinweg.

Sie hat missionarische und glaubenserhaltende Kraft.

Es wurde oben schon (Tiefe 2 „Die Suren in Ihrer zeitlichen Reihenfolge“) angeführt, dass die Fatiha namentlich in der Beschreibungsformel für Allah als „König am Tag des Gerichts“ einen eher jüdischen als islamischen Ausdruck anführt. Es ist aber eindeutig—auch wenn die Fatiha und in ihr die Basmalla in mehr als einer Hinsicht den übrigen Texten des Koran fern zu stehen scheint– dass mit der Basmalla eine Gottesbezeichnung vorliegt, die in der „Hingabe-Religion“ Islam gefunden und formuliert wurde.

Weiterhin muss man dann auch wohl sagen, dass die Tatsache, dass die Basmalla am Anfang jeder Sure postiert ist, erkennen lässt, dass die jeweilige Sure in der Absicht der Barmherzigkeit herabgesandt/gesprochen wurde.

Und sie ist nicht nur Absicht sondern eben auch selber schon ein Geschenk : die im Beginn jeder Sure angesprochene für jeden Menschen fassliche Ausfaltung dreier Eigenschaften Gottes, sein purer Name, sein (anhaltendes) Schöpfer-Sein und seine anrufbare Barmherzigkeit gegenüber seiner Schöpfung ist glückbringend- gelungene Versenkung in das Wesen Gottes.

So wird mit der Basmalla die extrem starke Gottesbezogenheit der Islamisch-Gläubigen gebahnt.

Aber Ist der Islam, insbesondere seine Geistlichkeit, fähig, die in der Basmalla angerufene Kraft eines barmherzigen Gottes auch in allgemein menschliche Barmherzigkeit zu überführen?