Internationaler Verein  "Aufklärung und Koran"   

 

Wofür hat Allah den Menschen gemacht?

Dritte Tiefe

„Und die Dschin und die Menschen habe ich nur dazu geschaffen, dass sie mir dienen.“
 
Suren 51, Vers 56*
(*) Wird auch in dem Artikel „Hingabe“ zitiert.


Die Sure 51 beschäftigt sich hauptsächlich mit der Warnung der Menschen vor nicht-achtsamem, nicht-gläubigem, nicht im Bewusstsein des bald zu erwartenden jüngsten Gerichts geführten Lebens. Gewettert wird gegen die Übertreter und Zweifler, vor allem aber, wie meist im Koran, gegen die, die Allah Gefährten zur Seite stellen. In diesem Zusammenhang entfährt dem Koran-Rezitator Mohamed jener oben zitierte Satz. Dabei fügt sich dieser Vers in seine Umgebung recht harmonisch ein, so dass gar nicht so sehr auffällt, welche Ungeheuerlichkeit damit zu Wort gebracht ist.

Vor der Verdeutlichung dessen nun ganz kurz eine Bemerkung zum Ausdruck „Dschin“: Die Dschin sind nach koranischer Darstellung engelähnliche aus Feuer geschaffene Wesen. Die Engel, die Allah auch geschaffen hat, sind demgegenüber aus Licht geschaffen worden. Wahrscheinlich hätten sie in der obigen Aufzählung in die Reihe neben Dschin und Menschen gehört. Sicher aber Mensch und Dschin, diese beiden hat Allah gemäß seiner in 51/56 gegebenen Äußerung “ nur deshalb geschaffen, damit sie mir dienen.“ Ein anderes Lebensrecht, einen anderen Lebenszweck, hat also der Mensch in koranischer Sicht nicht. Welche ungeheuerliche Aussage! Alle Menschen, die vor Mohamed lebten, haben ohne Lebensrecht gelebt!?

Gegen eine solche Unterstellung argumentiert die koranische Aussage, dass schon Abraham , Noah und Moses Muslime waren und eine Vorstellung vom rechten Glauben hatten. Sie –und die ihnen gefolgt sind—haben ihren Lebenszweck erfüllt. Das waren aber –nach muslimischer Auffassung –bis zur Zeit Mohameds nur wenige. Erst mit Mohameds Verkündigung und vor allen Dingen seinen Eroberungsaktivitäten setzt nach islamischer Auffassung die Heilsgeschichte mit Macht ein. Und seit dieser Zeit ( ab 622 = Jahr der Hidschra ) ist das grundlegende Heils- und Sprachwerk in ganz Arabien dann mehr und mehr der Koran. Die Sure 51 trägt die Überschrift „die Zerstreuenden“, auch übersetzbar mit „die Dahinziehenden“ ; gemeint sind wohl die Wolken. Bei ihnen wie auch bei den Winden, und wie bei den der Zeit Ordnung erteilenden Gestirnen wird einleitend geschworen, nichts als die Wahrheit zu sagen. Und die Wahrheit kondensiert in der oben berichteten fürchterlichen Aussage des Verses 56, Sure 51.

„Die Namen sind Schall und Rauch“, sagt das „Alte Testament“ und:

„Das Leben fährt schnell dahin und es nichts als ein Haschen nach Wind.“

Wichtig und richtig ist also auch gemäß den Aussagen des „alten Testamentes“ vor allem die Ausrichtung auf Gott. Das hieß im „alten Testament“ aber immer zugleich: die Ausrichtung auf das Halten seiner Gebote.

Damit aber ist der wesenhafte Unterschied angedeutet, der zwischen einer religiösen Quelle, die ausschließlich im Ich-Modus redet und einer religiösen Quelle, die überwiegend im Er-Modus, im 3. Fall lediglich berichtet. Psychologisch gilt für den Sprecher sicherlich: Wer lediglich berichtet, sucht den Rechtfertigungsgrund seines Sprechens außerhalb dieser reinen Tatsache des Sprechens, nämlich in den Fakten, die er berichtet. Mohamed, der Ich-Sprecher des Allah-Geistes des Koran, aber erlebte seinen Grund in sich selbst. Die In-Eins-Fühlung des Sprechers Mohamed mit den Gedanken Allahs war vermutlich nur durch intensivsten geistigen Dschihad zu haben gewesen. Es wird ein absolutes, kaum erträgliches Hochgefühl gewesen sein, die Gedanken des Allmächtigen in sich stark werden zu fühlen, und sie dann vorzutragen. Diese Tatsache selber wird so überwältigend erschienen sein, dass dabei ein Zwang zu einer qua Inhalt berechtigten Aussage eher in den Hintergrund trat. Alles Fühlen Mohameds konzentrierte sich auf Allah. Folgerichtig werden so nun auch alle anderen Wesen in ihrem Eigensinn „genichtet“. Lebenszweck und Sinn haben sie nur darin, Allah zu preisen.

An dieser Stelle wird die überwältigende Selbstbezüglichkeit des Allah-Geistes im Koran sehr deutlich. Diese Selbstbespiegelung wird nicht —oder nur ganz peripher — durch einen Blick auf das mosaische Gesetz gestört. Dieses wird in den Suren 6 und 17 quasi nebenbei auch geliefert, als „gerader Weg“ und als das, was Allah von seinen Gläubigen ganz besonders will. Hier gibt es aber keine Hervorhebung durch eine eindrucksvolle, besonders erzählte Geschichte wie das andächtige Lagern des Volkes Israel um den Berg Horeb herum in respektvollem Abstand. „Der gerade Weg“ steht im fortlaufenden Text. Es gibt auch keine Hervorhebung durch ein eigenes Kapitel. Auch spielt im islamischen Religionsunterricht der „Gerade Weg“ nicht die gleiche überragende Rolle, die die 10 Gebote im Religonsunterricht von Judentum und Christentum haben.

Man könnte sagen, dass auf diese Weise eine „ethische Mangel-Religion“ geboren worden ist, wenigstens im Vergleich zu Judentum und Christentum. Auch historisch ist im islamischen Kulturkreis keine der großen karitativen Einrichtungen der modernen Welt erfunden worden: internationales Rotes Kreuz, allgemeine staatliche Krankenversicherung, Asepsis und die ganze moderne Medizin. Wenn alle Kraft des Menschen dem Allah-dienst zu weihen ist, woher soll dann noch Kraft für tätige Nächstenliebe, für Katastrophen-vorsorge oder für medizinische Großprojekte kommen?

Die leider aber nicht nur fremde Schrecklichkeit des Verses 56 der Sure 51 liegt darin begründet, dass wir Ansätze zu einem solchen theologischen Vorgehen z.B. auch in den Schriften Martin Luthers finden. So hart Luther sich auch anlässlich der von ihm betriebenen Drucklegung des Koran 1543 gegen diesen abgesetzt hat ( „Viel eigen Werk und sonderlich vom Schwert“ und „Mohamed tötet mit dem Koran den christlichen Glauben und mit dem Schwert die Liebe“), so ist doch zu erkennen, dass die Glaubensinbrunst Luthers manche Ähnlichkeit mit der Gottesversessenheit eines Mohamed aufwies.


Ein Teil der Skyline von Qatar – eine Belohnung Allahs für seine Diener?

Eine Sucht und Raserei der Gottes-versenkung; sie waren auch anderen Reformatoren, z.B. Thomas Müntzer nicht fremd. Sie steht auch an der Quelle der Bilderstürmer, die es sowohl in den Ostkirchen Roms als auch im lateinischen Christentum als auch im Protestantismus gab, z.B. bei Karl Bodenstein u. a. . Dass diese Raserei ein Irrweg war, wurde aber auch von Luther u.a. berühmten Zeitgenossen bereits erkannt, siehe Erasmus von Rotterdam.

Fern aller Raserei finden viele Menschen, auch Zeitgenossen, im Zentrum aller Jenseits- und Absolutheitsbetrachtungen eine Realität, die wie von altersher mit dem Name Gott bezeichnet werden kann. Gott ist und bleibt und ist auch modern. Das für die heutigen Juden und Christen entscheidende Faktum ist nämlich: Gott hat dem Menschen die Freiheit gegeben. Und diese Freiheit macht ihn gottähnlich.

So steht in einer der Schöpfungsgeschichten des alten Testaments

„Gott schuf den Menschen sich zum Bilde. Nach seinem Bilde schuf er ihn.“

Wie sehr dieser Satz Realität ist, erlebt in ganzer Schärfe erst der Gegenwartsmensch ( ab 2010 ). Erst der Mensch der Neuzeit verfügt über eine Technik, die an`s Wunderbare, an`s Göttliche grenzt. Wie anders will man z.B. ein Smart-phone fassen, dass ohne Zeitverzögerung 10 000 km voneinander entfernte Menschen in einer Kommunikationsgemeinschaft zusammen führen kann.

Gerade aber dieses beinahe göttliche Vermögen über das der heutige Mensch dank seiner Technik verfügt, verlangt dem Menschen äußerste Besonnenheit ab. Und diese ist weit entfernt von einer reinen Preisungsgemeinschaft Allahs, die allein darin ihren ganzen Daseins-Zweck sieht. Nein, einerseits unterstützt durch die Technik, andererseits aber auch vor allem durch die ihm als Mensch ermöglichte Freiheit von der Triebbindung, und unterstützt durch eine religiöse Rückbindung findet er ein Leben, was innerlich bereichert und lebenswert ist.

So wird ein Gottesdienst höherer Art ahnbar: Das Nachahmen und Preisen Gottes damit, dass der Mensch die ihm von Gott als Geschenk gegebene Freiheit sinnbringend einsetzt für das Ganze des menschlichen Daseins.

Ist das eine Interpretation, die auch in den Seminaren der Al Azar Moschee / Universität in Kairo gefunden worden sein könnte?