Internationaler Verein  "Aufklärung und Koran"   

 

„Und es sprechen die Juden: ‚Uzair (Esra) ist Allahs Sohn …‘“ – (Sure 9, 30)

Vierte Tiefe

Sure 9, 30:

Und es sprechen die Juden: »Esra ist Allahs Sohn.« Und es sprechen die Nazarener: »Der Messias ist Allahs Sohn.« Solches ist das Wort ihres Mundes. Sie führen ähnliche Reden wie die Ungläubigen von zuvor. Allah, schlag sie tot! Wie sind sie verstandeslos!“

Es gibt keine Schriftstelle, in denen die Juden das behaupten, was der Koran ihnen hier unterstellt. Uzair (Esra) war der Hohepriester, der die Heimkehr des Volkes Israel aus der babylonischen Gefangenschaft bewerkstelligte. Er war hoch angesehen, aber eine Gottessohnschaft hat er weder beansprucht, noch wurde sie ihm angetragen.

Wir haben es hier also mit einer Falschaussage bezüglich der Tradition des Judentums zu tun. Sie war wohl dem Wunsch geschuldet, gegen die beiden anderen Monotheismen Judentum und Christentum eine gleichgerichtete Polemik führen zu können.

 
Nicht nur an dieser Stelle verbiegt der Koran die theologische Wahrheit offensichtlich aus Gründen einer möglichst effizienten Polemik (ein anderer Fall war zum Beispiel bei der Trinitätskritik: hier sei Allah der dritte von Dreien).

Es scheint, dass Mohamed in diesem Vers, den er in einem „radikalen Dschihad“ aus sich heraus schleuderte, die Contenance verlor, indem er sogar Allah anherrschte: „Allah, schlag sie tot!“

In einer anderen Übersetzung heißt es hier: „Allah, steite wider sie!“ Aber auch in dieser Übersetzung schwingt Mohamed sich hier auf zum Befehls- oder wenigstens Ratgeber des Allhörenden, Allwissenden.

Auch hier liegt entsprechend meiner persönlichen Einfühlung in den Textduktus nicht mehr eine demütigende Bitte, sondern der auffordernde Schrei einer offensichtlich vom Hass getrienbenen Seele vor. Dieser auch einen unbefangenen Leser/Hörer bestürzende Wutanfall Mohameds lässt einen beinahe die theologische Falschaussage zu Beginn des Verses vergessen (Absicht!?).


Die hingebungsvolle Niederwerfung (Sudschūd) vor Allah
Bild: Wikimedia