Internationaler Verein  "Aufklärung und Koran"   

 

Der Gebrauch des Koran in der muslimischen Welt

Der Koran wendet sich an alle Menschen. | (Zweite Tiefe)

Ü

ber Mohammed sagt Allah: “Wir haben Dich nur als Barmherzigkeit für die Weltenbewohner gesandt (Sure 21, Vers 107).“

Auch der Koran selber wird als Barmherzigkeit für die Menschen bezeichnet: Sure 6, Vers 154.

So glauben es die Muslime.

Die erste Herabsendung des Koran geschah in der Nacht des 27. Ramadan des Jahres 610 n. C. in der sogenannten „Nacht der Macht“. In Sure 97/1 bis 5 wird sie gefeiert: “Es geschah in einer Nacht, die besser war als tausend Monate, die voller Licht war durch die Engel und den Geist, in der die (Vor) Bestimmung aller Geschicke geschah. Diese Nacht war Licht und Friede bis zum Aufgang der Morgenröte.“

Dieses Heilsgeschehen wird jeden Ramadan wieder gefeiert u. a. durch ein einmonatiges Fasten von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang.

Außerdem wird dieses Ereignisses gedacht durch eine Komplett-Wiederholung der Mohammed-Rezitate in den Moscheen innerhalb eines Monats. Dazu wird der Korantext in 30igstel zerlegt in sogenannte „Dschuz“. Ein speziell ausgebildeter Koranrezitator, Qari genannt, der genau die vorgeschriebenen Tonhöhen und auch Pausen einhält und infolgedessen auch mit dem westlichen Ausdruck „Koransänger“ korrekt bezeichnet ist, trägt dann vor.
Nie sind die Moscheen so voll wie im Ramadan; dies ganz besonders in den letzten zehn Tagen, in die dann ja auch der 27-igste fällt, die „Nacht der Macht“.
Der Qari, der ausgebildete Koranrezitator, ist aber den ganzen Monat Ramadan über extrem gefordert.

Auch im „Nicht-Ramadan-Alltag“ hat der Koran große Bedeutung. Es gibt z. B. in Saudi-Arabien ganze Radiosender, die ganztägig Suren-Gesänge senden. Es gibt auch Kassetten mit diesen Gesängen.

Am Freitag, den Freitagspredigten (Chuttbs) vorweg, werden oftmals 2 bis 3 Koranverse rezitiert.

Der Korantext wird in arabischen Ländern nicht durch Bleisatz sondern photomechanisch vervielfältigt, weil auf diese Weise noch am ehesten die „Aura“ des Originaltextes, die sich ja auch aus der Ästhetik der arabischen Buchstaben speist, erhalten bleibt (man denke hier an die klassische Arbeit Walter Benjamins zum „Aura-Verlust“ bei Vervielfältigung eines Originals).

Außerdem spielen Teile des Koran bei den fünf täglichen Ritualgebeten eine entscheidende Rolle, nämlich: Sure 1, die Fatiha, die Eröffnende; und Sure 112, der rechte Glaube, die in unnachahmlich kompakter Form die Hauptattribute Gottes ausspricht: “einer, ewig, weder gezeugt noch zeugend, unvergleichlich“ und die Schahada, das islamische Glaubensbekenntnis, das eine Zusammenfügung von 2 im Koran verstreut vorliegenden Versteilen ist.

Alle drei Text-Passagen (Sure 1, Sure 112, die Schahada) spielen eine große Rolle für Feier bzw. die Rezitation der 5-mal-täglichen Ritualgebete.

So wird die Fatiha bei korrekter Ausführung der Gebete am Tag 25-mal gesprochen. Problematisch erscheint bei der Fatiha die 7. Zeile, die nach gängiger Interpretation Christen als die Irrenden abwertet und die Juden zu Zorn-Feinden Allahs erklärt.

Durch die kunstvolle Gefügeform des Koran ist er wohl auch für Intellektuelle aller Kulturen ein Objekt ästhetischer Bewunderung; im arabischen ist er durchsetzt von Binnenreimen; in der Sure 112 hat er fünfmal einen durchgehenden Endreim. In die deutsche Sprache hinein hat diese Endreimformation übrigens die Übertragung des Koran durch Friederich Rückert, 1788-1866 gerettet.

Durch die in ihm vorgeschriebenen Pausen erscheint der Koran-Text eher als eine Partitur als eine Rede (nach Navid Kermani).

Außerdem ist der Koran eine der Rechtsquellen der „Scharia“.

Andere sind Sunna (die Lebensbeschreibung des Propheten) Hadithe (die gesammelten Aussprüche Mohameds und seiner Begleiter) und Analogieschlüsse (je nach Rechtsschule etwas verschieden gewichtet ). Es gibt vier Scharia-Rechts-Schulen.



Moschee-Abstraktion
Quelle: Cliparto


 

Koranverse zieren häufig Amulette.

Die Schahada, das Glaubensbekenntnis, ist das, was dem Neugeborenen als Lebens-Begrüßung in´s Ohr geflüstert wird. Sie soll der letzte Satz des Sterbenden sein.
Die Schahada, die sich wie gesagt aus zwei Koranhalbversen zusammensetzt, ist u. a. als Umlaufschrift unterhalb der Felsendomkuppel in Jerusalem angebracht.
Der Felsendom steht nach muslimischem Glauben an der Stelle, an der Abraham bereit war, seinen Sohn Ismael, den Stammvater der Araber, zu opfern.
Das höchste muslimische Fest, das Opferfest (am 3. Tag der Hadsch gefeiert) erinnert an diese Bereitschaft Abrahams.

Der Brokat-Überhang der Kaaba wird von silbergewirkten Koranversen geziert.

Die weitverbreitete Kalligraphie von kleineren Koranabschnitten (Kunst-schönschrift von Koranversen) steht in der muslimischen Welt für das, was die Kunst im Westen mit Hilfe von Bildern und Skulpturen leistet.

Die Angehörigen der Geheimgesellschaft „Der Apparat“ in Ägypten schwören bei ihrer Aufnahme Ergebenheit, indem Sie die eine Hand auf den Koran legen und mit der anderen eine Pistole empfangen.

Diese Geheimgesellschaft hat im Lauf von 55 Jahren drei ägyptische Präsidenten wegen nicht ausreichend islamischem Verhalten erschossen, zuletzt Anwar al Sadat am 6. Oktober 1981.