Internationaler Verein  "Aufklärung und Koran"   

 

Der Koran ist Allah

Der Koran ist Allah. | Zweite Tiefe

 

A

uch gemäß nicht-gläubig-islamischer Auffassung sollte man im Koran ein höchst erstaunliches Zwischen-Gebilde zwischen Rede, Gespräch und Schrift sehen. Angezielt war vom Allah-Sprecher Mohamed wohl seit jeher die Schrift. Gegeben wurde aber von Mohamed eine 114 mal wiederholte Rede, mit jedesmal anderem Schwerpunkt, im Prinzip aber immer der gleichen Gesamt-Aussage.

Jede der 114 Suren erscheint als ein selbstständiger Ausdruck desselben Glaubens. Darin ähnelt der Koran dem Buch „Gespräche des Konfuzius“, in dessen 20 Kapiteln auch immer schon die Gesamtaussage zu finden ist.

Im Koran spricht sie sich in den langen ersten Suren meistens zur Gänze aus. Im Verlauf der fortlaufenden Herabsendung des Koran geraten in die Suren zusätzlich auch noch die Reaktionen der Zuhörer hinein. Zum Beispiel forderte der Koran die Gläubigen auf, sobald sie in Medina angekommen waren, in folgender Form zum Kampf auf Allah`s Pfad. Sure 2, Vers 216:

„Vorgeschrieben ist euch der Kampf, doch ist er euch ein Abscheu.“ 217:“Aber vielleicht verabscheut ihr ein Ding, das gut für euch ist, und vielleicht liebt ihr ein Ding, das schlecht für euch ist; und Allah weiß, ihr aber wisset nicht.“

Diese eigenartige Entstehungsweise, geschehend zwischen Vortrag und Entgegnung, zwischen Rede und späterer Schrift machen die Texte des Koran sehr eigenwillig und oft auch überaus persönlich. Schon von daher wahrscheinlich sprechen sie oft sehr stark an.

Obendrein ist die Meinung, der Koran liefere einen direkten Weg zu Allah, ohne Zwischeninstanzen, sehr gut zu belegen.

Und was ist mit den gelegentlichen dunklen Versen, sowohl in mekkanischer, wie in medinensischer Zeit, die kaum einer bzw. keiner versteht?

Was ist mit den Herabsendungen dreier verschiedener einzelner Buchstaben vor insgesamt 29 Suren sowohl aus mekkanischer wie aus medinensischer Zeit?
Wird hier, so fragt unser Verein, in erster Absicht das Geheimnis, das unsere Welt umgibt und begründet, beispielhaft versinnbildlicht?

Im Koran wird bezüglich der Religionen das Unterscheidungsmerkmal „Schriftbesitzer“, „Nicht-Schrift-Besitzer“ eingeführt.
Es ist dies eine religionsvergleichende Unterscheidung, die es bis dahin , bevor sie im Koran auftauchte, nicht gegeben hat. Das Judentum z. B. weiß sich selbst wohl als Besitzer der heiligen Schrift, es redet von den Anders-gläubigen aber als Heiden und nicht als „Nicht-Schrift-Besitzer“. Die Griechen hatten mit Homers „Ilias und Odysee“ ebenfalls kulturell-religiöse Grundlagentexte. Sie bezeichneten Andersgläubige aber nicht als „Nicht-Schriftbesitzer“ sondern als Barbaren. Die Ägypter hatten eine Geheimreligion und legten infolgedessen auf einen allgemeinen Buchbesitz bei sich selbst keinen Wert.

Das frühe Christentum hatte anfangs keine Schrift bzw. kein Buch. Erst nach etwa 50 Jahren kamen die Gemeinde-Anschreiben (Briefe) auf, dann die Evangelien, dann der ganze Rest (Apostelgeschichte etc.). Bis der heutige Kanon des Neuen Testaments endgültig beisammen und fixiert war, hat es ca. noch 150 bis 200 Jahre gedauert.

Der buchlose Zeitraum der islamischen Religion nach dem Ableben ihres Stifters war deutlich kürzer als im Christentum. Obwohl im Koran an vielen Stellen schon während der Verkündigung der Reden Mohameds vom Koran als einem Buch gesprochen wird, das Mohammeds arabischen Zeitgenossen aber auch der ganzen Menschheit vor, während, und nach dem Dasein Mohammeds auf Arabisch gegeben sei, lag er als ritueller Text und in Einheitlichkeit schon etwa 20 bis 30 Jahre nach Mohammeds Ableben vor.

Unter dem dritten Kalifen namens Uthman, ab 652 n.Chr. etwa (= 20 n. H.) wurde der Text zusammengestellt.

Diese verbürgte geschichtliche Text-Werdung des Koran hindert nicht seine außerordentliche Wertschätzung.
Wie später nochmals erwähnt, sollte der Koran, der mit seinen 6348 Versen übrigens etwas weniger umfangreich ist, als das Neue Testament, nur mit Handschuhen angefasst werden und in der höchsten Stelle der Wohnung gelagert werden.

Seine Urschrift liegt, so wird im Koran berichtet, bei Allah.

Auf der anderen Seite hat die kulturelle Präsenz des Koran in den islamisch geprägten Gesellschaften überwältigende Formen angenommen.
„Alle Wahrheit steht im Koran“, ist z.B. ein Glaubenssatz, der eigenes Forschen in den islamischen Gesellschaften jahrhundertelang verhindert hat. Zum Beispiel gemäß dem großen islamischen Gelehrten Ibn Taimiyah (1263 bis 1328) sollte Erkenntnis allein aus dem peinlich genauen Studium des Koran möglich sein. (Außerdem sollte die Lebenshaltung ein kriegerischer Dauer-Dschihad gegen alles, was nicht der Sharia folgt, sein, selbst dann, wenn die Regierung islamisch ist.)

Allah hat sich gemäß der Meinung der islamischen Geistlichkeit in der Schöpfung und im Koran offenbart. Für vom Menschen geschaffene Kunstwelten war und ist in dieser Auffassung kein Platz. Deshalb ist zum Beispiel gegenständliches menschliches Malen, abmalen nach der Natur und auch fotografieren verboten. Der Orient-Maler Gustav Bauernfeind (1848-1904) hatte noch mit dieser Auffassung zu kämpfen. Einen großen Teil seiner Reisekasse musste er für Bakschisch-Zahlungen für seine Modelle verwenden. Auch wenn sich dieses Verbot gelockert hat und selbst in Saudi-Arabien seit etwa 20 Jahren Foto und Fotografie zum Alltag gehören, ist ein „Glaubenswissen“ darum, dass ein solches Tun Gotteslästerung ist, im Hintergrund der Gesellschaft in Saudi-Arabien bis heute vorhanden.

Durch den Koran, in dem Allah sich geoffenbart hat, ist Allah in der islamischen Welt allgegenwärtig. Die Schahada, das aus zwei Halbsätzen bestehende Glaubensbekenntnis ist von der islamischen Geistlichkeit, der Ulema, aus Koran-Vers-Teilen zusammengesetzt worden. „Es gibt keinen Gott außer Gott“ gab Sure 37, Vers 35 vor; den zweiten Teil“ und Mohamed ist der Gesandte Gottes“ gab Sure 48, Vers 29 vor.

Das Glaubensbekenntnis wird den Neugeborenen als Weltbegrüßung ins Ohr gemurmelt. Es ist der letzte Satz der Sterbenden.

Das Allahu–Akbar-Sagen, das takbir, folgt einer Preisungs- und Rühmungsaufforderung Allahs aus dem Koran. Sie steht dort mindestens zweimal und zwar in Sure 74, Vers 3 ( frühmekkanisch ) und Sure 17 , Vers 111 ( mittelmekkanisch ). Als Antwort auf diese Aufforderungen ist der Ausruf „Allahu-Akbar“ entstanden. Allah ist der Größer-Größte. Das sagt der arabische E-lativ. Er ist Steigerung und Höchstform zugleich, wenn ein Vergleich im Stillen mitgedacht wird. Diesen Ruf spricht der Hodscha oder Iman als erstes über einem Verstorbenen.
Dieser Ruf ist die Speerspitze des islamischen Gebetsrufes ( Adnan ).

Ein zeitgenössischer iranisch-deutscher religiöser Denker, Navvid Kermani, der 2016 den Friedenspreis des deutschen Buchhandels erhielt, hat ein Buch über den Koran geschrieben mit dem Titel „Gott ist schön“. Aus der Ästhetik des Koran, die angeblich das Menschenmögliche übersteigt, leitete Navvid Kermani in diesem Buch einen Beweis der Existenz Allahs her.


Eingang zum Tempelberg (Felsendom)
Quelle: Bauernfeind-Musum, Sulz a.N.


 

Die arabische Urschrift des Koran durch Assonanzen, Binnenreime und Endreime ist nach vielfältiger Auskunft auch anderer sehr vertrauenswürdiger Gewährsleute, tatsächlich ein ausnehmend schönes Stück Literatur.

In der deutschen Übersetzung hat dies der große Poet Friedrich Rückert (1788-1866) in seiner posthum (1888) erschienen Koran-Übertragung für deutsche Leser nachempfindbar gemacht, im Englischen, der Orientologe und Dichter A. J. Arberry (1955) in der seinen.

Eine sehr große inhaltliche Genauigkeit wurde dagegen wohl in „die Botschaft des Koran“ von von dem Ukrainer Leopold Weis alias Muhammad Asad (1902-1992) bei seiner Übersetzung ins Englische erreicht.

Die poetische Koran-Übersetzung von Friederich Rückert rührt einen deutschen Leser aber am meisten. Wenn z.B. die Sure 112 einen fünffach-gleichen Endreim aufweist, gleichzeitig aber auch in dieser Form einen Höhepunkt inhaltlicher Aussage eines „aufgeklärten“ Monotheismus liefert, so ereignet sich in der Gewahrwerdung der Gleichzeitigkeit dieser Sachverhalte entweder ein ungläubiges Staunen, oder eine enorme Glaubensstärkung.

Aus großer Glaubensstärke heißt der Artikel 1 der Verfassung Saudi-Arabiens: „die Gesetze des Koran sollen vor allem erfüllt werden“, denn wir, , so sagt es der Koran, sind ( dem Gläubigen ) doch näher als seine Halsschlagader, Sure 50, Vers 16. Die Gesellschaft in Saudi-Arabien setzte diesen Spruch in Gesetzgebung um. Andere Gesellschaften eifern dieser nach.

Dadurch, dass der Koran in der islamischen Welt eine so riesige Rolle spielt, ist Allah in ihr überall wirksam vorhanden. Aus dem Radio quellen auf einem Sender in Saudi-Arabien ganztätig Koranverse. Dem Neugeborenen wird die Schahada ins Ohr gesprochen, das islamische Glaubensbekenntnis, das aus Koranversen zusammengestellte.
Die hoch entwickelte arabische Kalligraphie ist in erster Hinsicht eine Kunst, die das in arabisch gegebene und schließlich geschriebene Wort Allahs in den Himmel lobt.

Eine textkritische Schriftauslegung, die die Koran-Entstehung als Menschenwerk auffasst, als Raum – Zeit – Ereignis – , und so vielfältige Möglichkeiten des Textverstehens liefert, ist im Islam undenkbar. Das einzige, was dem Ausleger erlaubt ist, ist, dass den geschriebenen Worten, ein neuer Hinter-Sinn verliehen wird.
Dann aber dauert es erfahrungsgemäß nicht lange und es kommt wieder eine Reform-Bewegung im Islam, die zurück zum Ursprung geht, wie das auch die heutigen Salafisten tun.