Internationaler Verein  "Aufklärung und Koran"   

 

Die Auslegung des Koran

Im Koran, so heißt es in ihm selbst, gibt es Passagen, die schwierig und dunkel sind. | (Zweite Tiefe)

B

is heute z.B. weiß niemand, was die einzelnen Buchstaben bedeuten, die 29 Suren vorab herabgesandt wurden. Da, wo es geschah, werden drei Buchstaben herabgesandt. Von den insgesamt 28 Buchstaben des arabischen Alphabets wurden zu diesem Zweck aber nur 19 verwendet.
Sie geben weder alleine, noch miteinander kombiniert, einen Sinn.
Sie sind auch nicht eindeutig entweder der Medina- oder der Mekka-Phase zuzuordnen.

Mekka- und Medina-Phase sind Theodor Noeldeke folgend eindeutig zuzuordnen. Die anderen Versionen wurden erwähnt.

Auch der sogenannte Lichtvers Sure 35, 24 wird in der islamischen Welt sehr unterschiedlich verstanden. Für die Schiiten verweisen die in ihm erwähnten Lampen auf die blütlichen Nachfolger Mohammeds, die von ihnen verehrten 12 Imame ihres Glaubens.
Trotz der oben erwähnten Unsicherheiten wird von westlich gebildeten Koranexperten empfohlen – der besseren Verstehbarkeit wegen – den Koran dieser zeitlichen Entstehungsgeschichte folgend zu lesen, z.B. Hamed Abdel Samad.

Erläuterung z. neben / unten stehenden Tabellen:

Die am weitesten links stehende Zahl der jeweiligen Dreiergruppe gibt die Surenzahl an, wie sie im Koran gegeben ist. Die mittlere Zahl gibt an, als wie wievielte Sure sie herabgesandt worden ist (in der Zählung nach Noeldeke). Die dritte Zahl gibt an, aus wie vielen Versen die jeweilige Sure besteht.

Mekka
A.  Frühmekkanische Phase
610 – 612 n. Chr.
Sure zeitliche Reihenfolge Vers-Anzahl
96 1 19
74 2 56
111 3 5
106 4 4
108 5 3
104 6 9
107 7 7
102 8 8
105 9 5
92 10 21
90 11 20
94 12 8
93 13 11
97 14 5
86 15 17
91 16 15
80 17 42
68 18 52
87 19 19
95 20 8
103 21 3
85 22 22
73 23 20
101 24 11
Sure zeitliche Reihenfolge Vers-Anzahl
99 25 8
82 26 19
81 27 29
53 28 62
84 29 25
100 30 11
79 31 46
77 32 50
78 33 40
88 34 26
89 35 30
75 36 40
83 37 36
69 38 52
51 39 60
52 40 49
56 41 96
70 42 44
55 43 78
112 44 4
109 45 6
113 46 5
114 47 6
1 48 7
Mekka
B.  Mittlere mekkanische Phase
613-614 n. Chr.
Mekka
C.  Spätmekkanische Phase
615–621 n. Chr.

Medina-Phase n. Hidschra, 0-10 n.H.
622-632 n. Chr.
Sure zeitliche Reihenfolge Vers-Anzahl
54 49 55
37 50 182
71 51 28
76 52 31
44 53 59
50 54 45
20 55 135
26 56 227
15 57 99
19 58 98
38 59 88
36 60 83
43 61 89
72 62 28
67 63 30
23 64 118
21 65 112
25 66 77
17 67 111
27 68 93
18 69 110
Sure zeitliche Reihenfolge Vers-Anzahl
32 70 30
41 71 54
45 72 37
16 73 128
30 74 60
11 75 123
14 76 52
12 77 111
40 78 85
28 79 88
39 80 75
29 81 69
31 82 34
42 83 53
10 84 109
34 85 54
35 86 45
7 87 206
46 88 35
6 89 165
13 90 43
Sure zeitliche Reihenfolge Vers-Anzahl
2 91 286
98 92 8
64 93 18
62 94 11
8 95 75
47 96 38
3 97 200
61 98 14
57 99 29
4 100 176
62 101 12
59 102 24
33 103 73
63 104 11
24 105 64
58 106 22
22 107 78
48 108 29
66 109 12
60 110 13
110 111 3
49 112 18
9 113 129
5 114 120

Eine solche zeitliche Zuordnung ist als Auslegungshilfe bestens geeignet. Allerdings liegt hier die Denkfalle am Weg: Das Vorausgesetzte erweist sich als das (scheinbar) bewiesene. Es ist die Denkfalle des „Petitio Principii“.

So könnte es z. B. bei der Sure 13 einem Koranexperten ergehen.

Noeldeke hat sie als letzte Sure der Mekka-Zeit angesetzt. Sie bringt kaum politisches aber sehr viel kluge Betrachtung der Allmacht eines als allmächtig postulierten Allah.

Ein heutiger Koranexperte findet sie an dieser – schwebenden – Lebensstelle des Mohamed und erklärt die besonderen Einsichten, die in dieser Sure geäußert werden, aus der besonderen Lebenssituation Mohameds. Aber Noeldeke nahm mit nämlichem Grund die lebenszeitliche Positionierung dieser Sure so vor.

Eine ahistorische Auslegung, wie sie bei der üblichen Koran-Suren-Anordnung gar nicht anders sein kann, kann aber eine nur dem wörtlichen Sinn folgende sein. Gerade aber die dem strengen Wortsinn folgende Verstehensweise des Koran führt oft zu den Phänomenen des islamistischen Terrors.

Überwölbend zu diesen Überlegungen aber gibt es keine allseits akzeptierte geistliche Autorität im Islam. Es stimmt zwar, dass die Sunniten sich nach Kairo zur al Azar-Universität orientieren und die Schiiten sich zum geistlichen Führer im Iran orientieren. So hat z. B. Al Azar in Kairo im sunnitischen Islam zwar eine hohe Autorität, aber auch diese Moschee-Universität könnte es sich nicht erlauben, bei einer Textinterpretation den Sinn eines “X“ festzustellen, wenn dort ein “U“ stünde und die Lesart dann für alle verbindlich machen.

Die hohen Autoritäten des Islam beziehen ihre Autorität aus der Kenntnis und dem genauen Nacheifern der Vorschriften ihres Buches; aus nichts anderem.
So ist es nicht erstaunlich, dass es Geistliche der Al-Azar-Universität waren, die 1798 in Abu Qir bei Alexandria die Schiffe Napoleons stürmten, um die mitgebrachten Druckplatten zu zerstören. Sie wollten eine druck-mechanische Multiplikation des Koran verhindern, worin sie eine Entweihung sahen.
Man durfte doch die Offenbarung Allahs nicht maschinell und seelenlos bearbeiten!

Erst 1828 wurde die Gutenberg’sche Maschine im osmanischen Reich erlaubt.

Da führte die Al-Azar-Universität, gegründet 963 – ursprünglich schiitisch, seit Mitte des 12. Jahrhunderts sunnitisch – bereits ein beinahe tausendjähriges taktgebendes Dasein in der Welt des Islam. Es ist heute eine Moschee und eine Universität, an der 130 000 Studenten immatrikuliert sind, dessen Lehrkörper aus 16 000 Dozenten besteht.
Trotz dieses personellen Großaufgebotes ist der Universität Al Azar in der Vergangenheit manche „Fehl-Fatwa“ unterlaufen. Jetzt eine kleine Dreier- Auswahl:

1. 2006 Herrn Hamed Abdel Samad zu töten.
Selbst im Fall seiner Reue.
Sein Buch „Der islamische Faschismus“ war bei weitem nicht so polemisch wie das Buch von Salman Rushdie. Es war sehr sachlich und gründlich recherchiert, Trotzdem: Todesstrafe (lebt in Deutschland unter ständigem Personenschutz).

2. Herrn Mahmud Taha (Sudan) zu töten.
Er lehrte eine umgekehrte Abrogation; d.h. die friedlichen Mekka-Verse sollten im Kon- fliktfall die Medina-Verse aufheben.
Er wurde 1985 getötet.

3. 2012 Das schiitische Gebet zu verbieten
Diese Fatwa war möglicherweise von diesen Dreien die verderblichste, zementierte sie doch die tödliche Spannung zwischen Sunniten und Schiiten für die Zukunft fort.

Es gibt aber außer der Universität Al Azar noch viele Personen bei den Sunniten, die eine Fatwa fallen dürfen. Voraussetzung ist, dass die Fatwa von einem islamischen Rechtsgelehrten erlassen wird. Der Geltungsbereich der Fatwa ist dann so groß wie die geistliche Autorität des Mufti reicht.
So gibt es eine große Zahl von Fatwas von eher „regionalen, untergeordneten Geistlichen“.

Eine Auswahl:

Raheel Raza, eine muslimische Menschenrechtsaktivistin, die Geschlechtergerechtigkeit im islamischen Bereich einfordert, erklärte 2002, dass sie mit einer Todes-Fatwa leben muss.

Mariwan Halabjee wurde 2012 zum Tode verurteilt
Er war der Autor des Buches “Sex, Sharia und Frauen in der islamischen Welt“.
Die Fatwa sprach ein norwegischer Islam-Geistlicher aus – Mullah Krekar.
Er verurteilte bei dieser Proklamation die bekannte Islam-Kritikerin und Harvard Professorin Ayaan Hirsi Ali gleich mit zum Tode.

Jerry Falwell wurde zum Tode verurteilt (2012)
Er ist als evangelischer Fernsehprediger in den USA bekannt.

Geert Wilders sollte 2010 geköpft werden.
Diese Fatwa sprach ein australischer Iman namens Feiz Mohammed aus.

Es gibt natürlich auch sunnitische Fatwas, die dem westlichen Rechtsempfinden entsprechen.
So haben sich 2005 islamische Geistliche in Somalia mit einer Fatwa gegen die Genitalverstümmelung an Mädchen ausgesprochen.
Der Deutsche Rüdiger Nehberg war hier im Hintergrund aktiv gewesen.

Im Oktober 2014 sprachen sich 120 international bekannte islamische Geistliche auf 30 Seiten einer Fatwa gegen den islamischen Staat unter Abu Bakr al Bagdadi.

Im Dezember 2015 sprachen 70 000 indische Geistliche eine Fatwa gegen Terrororganisationen wie Al Quaida, islamischer Staat und Taliban.

Eine (Fehl) – Fatwa einer hohen schiitischen islamischen “Instanz“ ist die von Ruholla Khomeni (1902 bis 1989) gegen Salman Rushdie im Februar 1989 wegen dessen Buch „die satanischen Verse“.
Salman Rushdie lebt heute noch (2016), obwohl gerade vor ½ Jahr das auf ihn ausgelobte Kopfgeld von 500 000 Euro auf 1 Million erhöht wurde. Allerdings sind im Laufe der Jahre 2 seiner Übersetzer umgebracht worden, einer davon war ein Übersetzer in’s Japanische. In diesen beiden Fällen traf es auch total Unschuldige.

Ein geistiges Verbrechen beging auch der islamische Prediger Yusuf al-Qaradawi (84 Jahre alt2016), als er vor einigen Jahren (von 2016 aus gesehen) das Kopftuchgebot für Frauen für absolut erklärte und nur eine Ausnahme erlaubte:
“Wenn eine palästinensische Selbstmordattentäterin sich vor ihrem Anschlag zur Tarnung unter israelische Frauen mischt, dann darf sie sich auch ohne Kopftuch bewegen, dann darf sie ohne Kopftuch sein“.



Moschee Icon
Quelle: Colourbox


 

Bis auf die Fatwas gegen die Terrororganisationen und gegen die weibliche Genitalverstümmelung erscheinen dem internationalen Verein „Aufklärung und Koran“ diese Fatwas alle als Fehlurteile. Sie sind allesamt geeignet, eine Aufklärung der Menschen mit und unter dem Koran zu verhindern.

Auf der anderen Seite aber sind diese Fatwas Ausfluss einer peinlich-genauen Auslegung des Korans.
Der Koran ist noch vor Sunna (die Lebensbeschreibung des Propheten) und vor Hadithen (die mündlichen Aussprüche des Propheten und seiner Gefährten) in drei der vier Rechtsschulen des Islam die wichtigste Rechtsquelle der Sharia (=Weg).

Eine ganz entscheidende Fatwa, die ein besonders enthüllendes Schlaglicht auf die Koran-basierte Rechtsfindung wirft, haben wir noch zu erwähnen:
Es ist die Fatwa 990 der Al Azar Moschee. Sie wurde gegeben als Antwort auf die Rede von Papst Benedikts XVI., jene Rede, die wir auf der Startseite veröffentlicht haben. Sie steht an vielen Stellen im Netz unter anderem bei Radio Vatikan.
Die weltweite Empörung über die Rede Benedikts XVI. war so groß und einhellig, dass sich die
Rechtsgelehrten von Al Azar aus der Deckung wagten.
„Denn das Schwert ist eine Lösung“, so sagten sie, denn Allah sagte in Sure 57, Vers 25: „Wir schufen das Eisen, worin Kraft zu gewaltigem Krieg, wie auch zu vielerlei Nutzen für die Menschen liegt.“
Und Allah sagte, so sagten sie, in Sure 2, Vers 193: „Und kämpft gegen sie, bis es keine Verwirrung mehr gibt und die Religion Allah gehört.“

Diese Fatwa markiert die eigentliche Friedensstörung der Menschenwelt, wie sie sich seit Jahrhunderten aus dem Koran rechtfertigt.

Gerade weil sie eine Meinung im Hintergrund formuliert ist sie so überaus unheilbringend. Hatten wir bisher bei den Fatwas neben einigem Schrecklichen auch einige wenige humane, so wird an dieser Stelle deutlich, dass die koranische Rechtsquelle der Sharia bis ins Mark verdorben ist.
Nicht, wie es bei Pelagius II. Manuel und Benedikt dem XVI. gelautet hatte: „Gewalt ist dem Wesen Gottes zuwider“. Nein: „im Eisen liegt große Wohltat verborgen“.
Dieser sich ausschließende Gegensatz, mit ihm haben wir jetzt mit dem Zeigefinger auf den verborgenen Grund für viele Schwierigkeiten in vielen Jahrhunderten gedeutet – erinnert sei zum Beispiel an die Assasinen vom 11.-13. Jahrhundert, vorwiegend in Syrien.