Internationaler Verein  "Aufklärung und Koran"   

 

“Herabgesandt in den untersten Himmel“

Einige Folgen der "Nacht der Macht" | Zweite Tiefe, 1

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emäß muslimischem Glauben geschah am 27. des Monats Ramadam (des Jahres 610 n. C.) eine Herabsendung der Sure 96 („von Allah, der euch das Schreibrohr lehrte“) und ein Verbleiben der übrigen 113 Suren im untersten Himmel.
Von dort wurden bei jeweiligen besonderen Anlässen, oder auch nur, weil es Allah gefiel, die anderen Suren in den folgenden 22 Jahren einzeln herabgesandt (niemals zwei direkt nacheinander).
Die Herabsendung der ersten Sure hat folgende Vorgeschichte:

Der Engel Gabriel forderte gemäß muslimischem Glauben Mohammed auf: „Lies!“ Mohammed soll geantwortet haben, dass er nicht lesen könne. Der Engel Gabriel bedrängte ihn und presste ihn, so dass Mohammed schließlich doch las. „Du wirst lesen können und auch alles behalten“, soll der Engel dann zu ihm gesagt haben.
Dies alles geschah in der „Nacht der Macht“, von der der Koran sagt (Sure 97, Verse 1 bis 5), dass sie wichtiger und heller sei als tausend Monde, dass die Engel und Geister in ihr hinabstiegen und dass in ihr jegliche Verfügung und Verheißung auf die Erde gekommen sei.
Sie sei Licht bis zum Durchbruch der Morgenröte.

Der Arabist Dr. Günter Lüling (geb. 1928, gest. 2014) sah in dieser Beschreibung der „Nacht der Macht“ einen Hinweis auf das christliche Weihnachten. Er erkannte in der Sure 96, nachdem er Veränderungen vorgenommen hatte, die für eine Reim-Choralform notwendig sind, einen urchristlichen Choral. Überhaupt meinte er, dass die vor-islamischen Mekkaner in ihrer großen Mehrheit Christen gewesen seien. Die Erinnerung daran sei im Koran bewusst in späterer Redaktion getilgt worden. Ein Vorläufer, der bzgl. der Religionszugehörigkeit der vorislamischen Mekkaner der gleichen Ansicht war, war der deutsche Bibelforscher und Orientalist Julius Wellhausen (1844-1918).
In seinem Buch: „Der vor-islamische Kult um die Kaaba“ erläutert Günther Lüling diese These im Einzelnen.
In seinem Buch: “Der Urkoran“ führt er weiterhin im Einzelnen aus, wie aus urchristlichen Texten, in einer Zeit, als es die diakritischen Punkte in der arabischen Schrift noch nicht gab, mit wenigen Veränderungen einige der ältesten Suren hätten entstehen können.

Seine These, dass eine ganze Reihe von Suren durch redaktionelle Überarbeitung urchristlicher Choräle entstanden sei, ist in der Gelehrtenwelt nach anfänglicher Begeisterung – seine Doktorarbeit über den Urkoran wurde mit “Eximium“ bewertet – eine so gut wie niemals vorliegende Auszeichnung – nur noch eine Mindermeinung.
Wer sich allerdings die Mühe macht, die Ausführung seiner These nachzulesen, wird staunen, wie leicht, wie flüssig und sogar schöner sich z. B. aus der Sure 96 ein christlicher Choral lesen lässt.

Andere, in der Arabistik bekannte „ketzerische“ Thesen: Erstens, der Koran sei syro-aramäischen Ursprungs und dann in’s Arabische übersetzt worden oder zweitens, Mohammed hätte nie gelebt und der Koran sei einem erfundenen Mohammed untergeschoben worden, damit die Kalifen ihre Herrschaft religiös hätten rechtfertigen können, halten die Vereinsmitglieder hingegen für abstrus und nicht diskutabel.

Sie schließen sich der übergroßen Mehrheit der Gelehrten an, dass dem 3. Kalifen Uthman, 644 n.C. – 656 n.C., insbesondere durch Hinzuziehung des Koran einer der Ehefrauen Mohammeds, der Hafsan, einer Tochter von Mohammed’s Sekretär, die sowohl lesen als auch schreiben konnte, eine sehr gute und treffende Rekonstruktion der von Mohammed gesprochenen Worte gelungen ist.
Dass bei dieser Rekonstruktion auch Fehler geschehen sind, ist allerdings auch wahrscheinlich. So berichtet z. B. Aischa, die Lieblingsfrau Mohammeds, in einem Hadith, dass eine Sure unter ihrem Bett gelegen hätte und dass diese dort von einem Hund gefressen worden sei. Wahrscheinlich wäre das die Sure mit der Steinigung gewesen.
Diese Strafe findet sich nämlich in dem uns überkommenen Koran nicht.

Fakt ist, dass die „Nacht der Macht“, der 27. Ramadan, die Nacht der Herabsendung des Koran, auch heute noch im Islam intensiv gefeiert wird und dass man an diesem Tag im Monat Ramadan so lang wie möglich in die Moschee geht; am besten ganztägig.
Diese Vorschrift bezieht sich aber, da man sich des genauen Datums der Herabsendung nicht ganz sicher ist, auch auf die ganzen letzten zehn Tage des Ramadan.

Der neunte Mondmonat des islamischen Kalenders, Ramadan, ‚der heiße Monat‘ wandert im christlichen Jahr jedes Jahr 11 Tage zurück, erscheint also in einer Langzeitbetrachtung in allen Jahreszeiten mal auf.

Die Muslime feiern ihn gemäß den koranischen Vorschriften (Sure 2, Vers 185, frühmedinensische Zeit) durch ein Fasten von vor Sonnenaufgang bis nach Sonnenuntergang.
Auch Trinken ist ihnen in dieser Zeit verboten. Ebenso sind zwischen Liebenden Küsse und andere Zärtlichkeiten verboten. Für Kranke und Schwangere wird allerdings tagsüber eine „Ramadan-Suppe gereicht“.

Das Fasten hat weiterhin den ethischen Aspekt, dass man sich in diesem Monat ganz besonders der üblen Nachrede, der Beleidigung, der Lüge enthalten soll.


 

Tempelplatz mit Felsendom
Quelle: Bauernfeindmuseum, Sulz a.N.

 


 

Das ausgefallene Essen tagsüber wird durch eine intensive Festivität nach Sonnenuntergang nachgeholt. Dazu wird dann oft auch Musik dargeboten. Es herrscht vielerorts eine sehr ausgelassene Stimmung.
In Ägypten wird im Monat Ramadan so viel verzehrt wie in den ganzen übrigen 11 Monaten zusammen.

Es wird aber im Arbeitsleben in diesem Monat zum Leidwesen der jeweiligen Wirtschaftsminister auch wenig produziert.
Die Unfall- und Frühgeburtsraten sind deutlich höher als sonst im Jahr.
Das Bruttosozialprodukt in den Islam-dominierten Ländern erleidet einen deutlich spürbaren Knick nach unten in diesem Monat.
Der gesamte öffentliche und private Dienstleistungsbetrieb läuft einen Monat auf Sparflamme, etwa so wie der öffentliche Betrieb in Köln während der Karnevalswoche.

Das tägliche Fasten mit all seinen Nachteilen wird überaus ernst genommen. Selbst als Tourist wird man verhaftet und mit Gefängnis bestraft (z. B. Marokko), wenn man sich in der Öffentlichkeit an das Fasten über Tag im Ramadan nicht hält.

Die religiöse Begeisterung ist im Ramadan erhöht. Manche der Kriege – z. B. der Irak-Iran-Krieg 1980 – 1988 und der Krieg Somalia – Äthiopien wurde jeweils im Ramadam unterbrochen.

Natürlich gibt es auch Muslim (e) (a), die den Ramadan nutzen, ihr asketisches Talent zu trainieren, die die nächtliche Völlerei vermeiden und die den jährlichen Ramadan als willkommen von Allah vorgeprägte Schlankheitskur nutzen.

Das Ende des Ramadan wird dann gefeiert durch das id al-Fitre, das 3-tägige Fastenbrechen. Besonders Kinder bekommen Süßigkeiten, Verwandte werden besucht und man geht schon vormittags in die Moschee. (türkisch Bayram)