Internationaler Verein  "Aufklärung und Koran"   

 

Die Unverfälschbarkeit des Koran

Allah wacht über die im Himmel verwahrte Tafel. | (Zweite Tiefe)

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iese ist damit selbstredend vor jedweder Weglassung und Hinzufügung bezüglich des Textes geschützt. Allah schützt den Text auch unter den Menschen.

Ende 2015 tauchten in Birmingham (Great Britian) Koranfragmente auf (die Suren 18 bis 20), geschrieben auf einem Pergament, bei dem sich durch die C-14-Methode bestimmen ließ, dass die zugehörige Kuh wohl zur Lebenszeit Mohammeds auch selber gelebt hat. Ihr verarbeitetes Fell zeigt also aller Wahrscheinlichkeit nach ein sehr altes Koran-Teilstück. Wortlaut und Anordnung des Textes waren deckungsgleich mit unserem heutigen Text.
Dieses Faktum rief in der islamischen Welt – sichtbar z. B. auf der Titelseite der Saudi-Gazette – große Begeisterung hervor und wurde als Bestätigung der Zusicherungen Allahs, den Koran zu schützen, genommen. Zusätzlich wurde es gesehen als Bestätigung der engen Verbindung, ja Deckungsgleichheit von Allah und Koran.
Die Zusagen der Wacht Allahs über die Schrift befinden sich im Koran an einer Reihe von Orten:
Sure 85, Vers 21-22: “er (der Koran) ist in einem verborgenen (bei Allah) Buch.“
Sure 56, Vers 78: “ja, er ist ….. eine verwahrte Tafel (bei Allah).“
Sure 13, Vers 39: „Allah löscht aus und bestätigt, was er will und bei ihm ist die Mutter der Schrift.“
Weitere Stellen, die diese Sicht bestätigen, sind Sure 3, Vers 7 und Sure 43, Vers 4.

Es zeigt sich anhand dieser gleichlautenden Belege auch dem nicht-muslimischen Beobachter, dass dem Geist, der Mohammed hat sprechen lassen, eine immer gleiche Gesamtkonzeption von der Art seines Textes und der Quintessenz seiner Übermittlung zugrunde lag.
Es geschah im Koran ein Sprechen auf der Grundlage eines sich immer gleich bleibenden Selbstbewusstseins.
Allem voraus bestand ein Wissen offenbar schon davon, dass der hier und jetzt gesprochene Text Teil eines umfassenden Buches ist, das wohlverwahrt für alle Zeit bei Allah liegt.

Hinzu kommt, dass die Gesamtheit der Schrift bei Allah nach muslimischer Auffassung über den Koran hinaus auch alle Verheißungen für die Menschen und deren sämtliche Taten enthält. Es enthält die gesamte durch Allah geschehene Vorherbestimmung, „denn nichts fällt aus seiner Kontrolle“.
Am Ort bei Allah „oberhalb des siebten Himmels“ ist nach Tafsir, der Koranauslegung der Mehrheit der Gelehrten, diese Tafel verwahrt.
Ebenfalls dem Tafsir der Mehrheit der Gelehrten zufolge ist die „Mutter des Buches“ die Quelle aller heiligen Schriften“.

Demgemäß zeigt Devin Stuart, ein zeitgenössischer (2016) Koranforscher in Georgia, Atlanta, dass auch das Demonstrativpronomen „jenes (Buch)“, das zu Anfang der Sure 2 benutzt wird, auf einen Ort der Ferne hinweist. Obwohl arabisch eindeutig mit „dhalika“, als Hinweiswort der Ferne, gekennzeichnet, wird es auch an anderen Stellen im Koran, so auch zu Anfang der Sure 2 mit „dieses (Buch)“ übersetzt, was aber „nadha“ hätte heißen müssen.
Auch hier zeigt sich wieder, dass dem Koran eine Gesamtkonzeption zugrunde liegt. Das Demonstrativpronomen der Ferne lässt aufleuchten, dass der Koran ein fernes, entrücktes Buch ist. Dies unterstreichen dazu auch die zu Beginn der 2. Sure herabgesandten einzelnen Buchstaben, „Alif, Lam, Mim“. Auch sie sind wohl Teil des Buches bei Gott, das letztlich dem Menschen unverständlich bleibt. „Nur der Prophet hatte durch göttliche Inspiration dazu Zugang“, so Devin Stuart in seinem Beitrag für den Deutschlandfunk Anfang 2016. Es hat vielfach in der islamischen Religionsgeschichte Versuche gegeben, dieses an sich ferne Buch, den Koran, nicht wörtlich zu verstehen. Die Mutaziliten (9. bis 11. Jahrhundert) hatten einen neuplatonischen Zugang zu ihm, legten entscheidenden Wert auf die Ratio, glaubten, dass auch Gott (Allah) an die Ratio gebunden ist.

Die Sufis in der ganzen islamischen Welt, also sowohl unter Sunniten, wie unter Schiiten lebend, haben einen mystischen Zugang zu ihm, verstehen ihn vom „Tauhid“ her (Es gibt keinen Gott außer Gott). Die Aleviten, überwiegend in der Türkei beheimatet, lesen ihn kritisch, lehnen den Koran weitgehend ab. Sie sehen in ihm kein Buch, das direkt von Allah, vermittelt über Gabriel und Mohammed stammt.

Die Schiiten (15 % aller Muslime, Vormacht Iran), entstanden 680 n.Chr., 61 n.H. nach der Schlacht bei Kerbala, legen entsprechend ihrer Auslegung des Lichtverses: Sure 24, Vers 35, entscheidenden Wert auf die 12 blütlichen Nachfolger Mohammeds, die die rechtgeleiteten Kalifen gewesen seien. Von diesen sei der 12. entrückt worden, nicht gestorben. Sie erwarten sein Wiedererscheinen.
Das Mullah-Regime des Iran, seit Ruholla Khomeini 1979, versteht sich als sein Platzhalter.
Auch die Drusen, eine ethnische Gruppe in Israel und im Libanon, die meist als islamische Sekte verstanden wird, verstehen den Koran allegorisch.
Neuere Versuche, den Sinn des Koran nicht seinen klaren Worten zu entnehmen, finden sich bei dem türkischen Gelehrten, Yarsal Nuri Ötztürk (geboren 1951, gestorben Juni 2016) und bei dem in Deutschland lehrenden Islamwissenschaftlicher Mohammed Khorchide (geboren 1971 in Beirut).
Alle diese Versuche, aus der wort-wörtlichen Informationsvermittlung des Koran herauszufinden, sind seit Ibn Taimiyah (1263 bis 1328) in die Defensive gedrängt worden. Er predigte u.a. auch den kriegerischen Dschihad als Gottesdienst, als permanente Haltung, die ein Moslem gegenüber einem Ungläubigen einzunehmen hätte.
Ihm folgend gab es eine Reihe weiterer „erfolgreicher fundamentalistischer Religionserneuerungen“, wie z.B. die der Wahabiten Anfang des 19. Jahrhunderts und deren Neuauflage in den 1920-iger Jahren durch Ibn Saud und den mit ihm verbündeten Imamen. In der älteren Jetztzeit (erste Hälfte 20-igstes Jahrhundert) gab es eine solche Bestrebung durch Hassan al Banna, der 1930 in Ägypten die „Moslem-Brüder“ gründete und in der zweiten Hälfte des 20igsten Jahrhunderts durch Ruholla Khomeini.

Said Qutb (1907 –bis 1966) war ein anderer, sehr profunder Denker des modernen islamischen Fundamentalismus. Seine Schriften haben geholfen, den modernen Anti-Israel-Kurs weltweit im Islam zu verankern.
Inwieweit er selber in ein Attentat auf den ägyptischen Staatschef Gamal Abdel Nasser verwickelt war, ist offen geblieben. Auf jeden Fall wurde er in diesem Zusammenhang zum Tod durch Erhängen verurteilt.

In der Gefängniszeit entstanden “Zeichen der Zeit“; englisch “Milestones“. Hier wurde die Herrschaft von Menschen über Menschen als inhuman gebrandmarkt. Die Herrschaft auf Erden sei allein Allah zuzugestehen.
Dieses Buch wurde ein epochemachendes Werk.

Abu Ala Al-Maududi förderte den indischen muslimischen Fundamentalismus und die Pakistan-Bewegung, die seit 1930 immer stärker wurde unter den Muslimen und die 1948 zu einer sehr blutigen Abspaltung dieser Landesteile von Indien führte, um im „Land der Reinen“ einen muslimisch dominierten Staat zu errichten.
In der Gegenwart (2016) erleben wir den „islamischen Staat“ in Syrien mit weltweiten Unterstützern und die zugehörige weltweite „Reformströmung der Salafisten“.
Schon Mohammed selber aber war ein Fundamentalist.



Tor zum Tempelplatz in Damaskus
Quelle: Bauernfeindmuseum, Sulz a.N.


 

Er war sehr darauf bedacht, die einmal geäußerten Ayat (= Zeichen vom Himmel) äußerst korrekt zu wiederholen. In Medina unterhielt er eigene Hofschreiber, die während der Reden unter seinen Eingebungen fleißig mitschrieben. Aber auch von ihm selber ist bekannt, dass er seine Suren sehr gut auswendig beherrschte.

Ob es nun einen Engel Gabriel, der ihm zuflüsterte, gegeben hat oder nicht – man muss wohl sagen, dass das dem Engel zugesprochene Versprechen: “Du wirst alles behalten!“ sich bei Mohammed erfüllt hat.

Hier sei nun ein erstes Gesamturteil über Mohammed und seine „Offenbarung“ gegeben.
Welcher Art die Geistigkeit auch war, aus der Mohammed sprach, sie war nicht nur nach logischen Maßstäben sehr ungewöhnlich, sie war auch in vielfachen Hinsichten genial.
So hat er zum Beispiel auch das Problem des Selbstwiderspruchs, das bei der Vielzahl seiner Wortmeldungen nicht ausbleiben konnte, souverän gelöst: „…Sende ich euch weitere bessere …(Verse)…“ Sure 2, Vers 106, so sollten diese gelten.

Dieser Regelung der „Abrogation“ (Ungültigmachung) durch spätere Verse wurden auch Zinsbeurteilung und die Beurteilung des Alkoholgenusses unterworfen. In beiden Fällen wandelte sich eine eher milde Kritik bei der dritten Erwähnung in eine deutliche Ablehnung.
„Hier hat also Allah-Mohammed selber den Text geändert, sogar mit Ansage.“
Später hat die Ulema (=die Summe der islamischen Geistlichkeit) das von Mohammed angesagte Verfahren gemäß 2/106 zum abstrakten Gesetz erhoben. Der später (herabgesandte) Vers hebt den früheren auf. So soll z. B. der Vers 5 der Sure 9 sehr viele frühere friedliche Verse abrogiert haben. So gibt es hunderte von Abrogationen gemäß dem Verständnis der islamischen Geistlichkeit. Die Sure 9 und später noch die Sure 5 sind die nach allgemeiner Meinung der Geistlichkeit (Idschma) zuletzt herabgesandten Suren.

Wer also wissen will, was Allah-Mohammed wirklich gemeint hat, der muss sich vor allem diese beiden Suren anschauen.

1985 hat ein Geistlicher Religionsreformer im Sudan, Mahmoud Taha, das Prinzip der Abrogation umdrehen wollen und gelehrt, die frühen und friedlichen mekkanischen Verse (z. B. „Euch euer Glaube, mir mein Glaube…“ Sure 109, Verse 1 bis 6, würden die späten und kriegerischen medinensischen Verse („Und bekämpft sie, bis der Glaube an Allah frei ist…“, Sure 2,Vers 194) abrogieren. Leider endete dieser unter einem Humanisierungsgesichtspunkt dieses Glaubens sehr sinnvolle Reformversuch für Mahmoud Taha mit Anklage und Todesurteil und dessen Vollstreckung.